Collegium 1704
Collegium Vocale 1704
Václav Luks
Annenkirche, Annenstraße 23, 01067 Drážďany, Německo
J. S. Bach

Universo 1704 Premiere: 1.3.2021
YouTube-Premiere: Demnächst

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Magnificat D-Dur, BWV 243

  • Magnificat | Chor
  • Et exultavit | Sopran
  • Quia respexit | Sopran
  • Omnes generationes | Chor
  • Quia fecit | Bass
  • Et misericordia | Duett Alt, Tenor
  • Fecit potentiam | Chor
  • Deposuit potentes | Tenor
  • Esurientes | Alt
  • Suscepit Israel | Trio Sopran I, Sopran II, Alt
  • Sicut locutus est | Chor
  • Gloria Patri | Chor
  • Sicut erat | Chor

Das Konzert entstand in Zusammenarbeit mit der Annenkirche.
Besonderer Dank an Günter & Ute Seidel

  • Tereza Zimková, Lucia Caihuela | Sopran
  • Kamila Mazalová, Aneta Petrasová | Alt
  • Ondřej Holub | Tenor
  • Tomáš Šelc | Bass

Collegium 1704

  • Konzertmeister | Helena Zemanová
  • Violine I | Markéta Knittlová, Petra Ščevková, Jan Hádek
  • Violine II | Simona Tydlitátová, Eleonora Machová, Martina Kuncl Štillerová
  • Viola | Dagmar Valentová, Julia Kreichbaum, František Kuncl
  • Violoncello | Libor Mašek, Hana Fleková
  • Kontrabass | Luděk Braný
  • Orgel | Pablo Kornfeld
  • Flöte | Julie Braná, Lucie Dušková
  • Trompete | Hans-Martin Rux, Astrid Brachtendorf, Marc Deml
  • Pauken | Daniel Schäbe

Collegium Vocale 1704

  • Sopran I | Tereza Zimková, Helena Hozová, Kamila Zbořilová
  • Sopran II | Lucia Caihuela, Pavla Radostová, Marta Fadljevičová
  • Alt | Kamila Mazalová, Aneta Petrasová, Daniela Čermáková
  • Tenor | Ondřej Holub, Filip Dámec, Čeněk Svoboda, Krzysztof Mroziński
  • Bass | Tomáš Šelc, Lukáš Zeman, Martin Vacula, Michał Dembiński

Johann Sebastian Bach

vertonte den biblischen Lobgesang Magnifikat, kurz nachdem er im Jahre 1723 den Posten des Thomaskantors übernommen hatte. In Leipzig bildete der Lobgesang Magnifikat einen regelmäßigen Bestandteil der Gottesdienste, und an gewöhnlichen Sonntagen wurde er deutsch gesungen, doch an bedeutenden Feiertagen, besonders den marianischen wie der Verkündigung Mariä und Mariä Heimsuchung oder Einführung Jesu in den Tempel, wurde er lateinisch aufgeführt.

Es geht um die überhaupt erste große liturgische Komposition, bei der Bach vom lateinischen, nicht deutschen Text ausging, womit er in gewissem Maße die Unterschiede zwischen der katholischen und protestantischen Tradition verwischte. Dasselbe ungewöhnliche Verfahren wiederholte er in der Folge, was die Wahl der Sprache anging, noch einmal im Falle der berühmten h-Moll Messe. Irgendwann um das Jahr 1733 herum, am ehesten anlässlich des Feiertags Mariä Heimsuchung oder einer anderen liturgischen Feier, bereitete er eine neue Version des Magnifikat vor, von der ursprünglichen Tonart Es-Dur nach D-Dur transponiert (BWV 243), und das insbesondere, damit er im Orchester Trompeten verwenden konnte, die in Sachsen üblicherweise in gerade dieser Tonart gestimmt wurden.

Der Text des Lobgesangs stammt aus dem Lukas-Evangelium und es geht um eine Rede der Jungfrau Maria, die schon schwanger mit der heiligen Elisabeth zusammentrifft, ebenfalls in gesegnetem Stand. Interessant ist, dass die übrigen Evangelisten dieses Ereignis überhaupt nicht erwähnen. Bei dem Treffen bewegt sich das Kind, der zukünftige Johannes der Täufer, in Elisabeths Schoß, und Elisabeth erweist Maria die Ehre (diese Rede ist die Grundlage des Gebets „Ave Maria“). Maria antwortet mit einer Rede, in der sie Gottes Macht preist und seine großen Taten. Diese Passage wurde bekannt als Magnifikat („Meine Seele preist den Herrn“). Der Text ruft also zu einer freudigen, feierlichen und erhabenen Atmosphäre auf, die in Bachs Vertonung von Anfang an offensichtlich ist.

Bachs Vertonung schreibt fünf Partien vor (zwei Soprane, Alt, Tenor und Bass) und ein Barockorchester mit Trompeten und Pauken. Die expressive Komposition besteht aus zwölf verhältnismäßig kurzen Teilen, und Bach illustriert mit musikalischen Mitteln geschickt die Bedeutung des biblischen Textes: Bemerkenswert ist zum Beispiel die Wahl der Blechbläser für die Passagen, die den Herrn als siegreichen Kämpfer darstellen, die überraschende Verwendung fast des gesamten Ensembles für den Aufruf „Omnes generationes“ (alle Kindeskinder), der in das meditative Sopran-Solo einfällt, oder die energische und rasante Fuge für den Vers „Fecit potentiam in brachio suo“ (Er übet Gewalt mit seinem Arm).

Zu den gelungensten Passagen der Komposition gehört ohne Zweifel die meditative Arie „Quia respexit“, in welcher den Ersten Sopran die obligate Oboe d̕amore, eine in A-Dur gestimmte, besondere Art der Oboe, die sich durch einen zarteren Alt-Ton auszeichnet. Der amerikanische Musikkritiker Michael Steinberg merkt an, dass Stimme und Instrument sich hier zunächst das Material in einem kontemplativen Duett teilen und die Stimme nachher in einen einfacheren, deklamatorischen Stil übergeht. In ähnlichem Geiste ist auch „Esurientes“, eine liebliche Arie für Alt und zwei obligate Flöten verfasst.

Obwohl es um ein verhältnismäßig frühes Werk vom Gesichtspunkt des Schaffens Bachs aus geht und um eine Rarität bezüglich der gewählten Sprache, wurde das Magnifikat zu einer der beliebtesten Kompositionen Bachs überhaupt, was gerade die große Menge an Aufnahmen und die Zahl der Konzertaufführungen beweist.

J. S. Bach: Magnificat in D BWV 243

Magnificat | Choir
Magnificat anima mea Dominum.

Et exsultavit | Soprano
Et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo.

Quia respexit | Soprano
Quia respexit humilitatem ancillae suae; ecce enim ex hoc beatam me dicent.

Omnes generationes | Choir
Omnes generationes.

Quia fecit | Bass
Quia fecit mihi magna qui potens est,
et sanctum nomen eius.

Et misericordia | Duet Alto, Tenor
Et misericordia a progenie in progenies timentibus eum.

Fecit potentiam | Choir
Fecit potentiam in brachio suo, dispersit superbos
mente cordis sui.

Deposuit potentes | Tenor
Deposuit potentes de sede et exaltavit humiles.

Esurientes | Alto
Esurientes implevit bonis et divites dimisit inanes.

Suscepit Israel | Trio Soprano I, Soprano II, Alto
Suscepit Israel puerum suum recordatus misericordiae suae.

Sicut locutus est | Choir
Sicut locutus est ad patres nostros,
Abraham et semini eius in saecula.

Gloria Patri | Choir
Gloria Patri, gloria Filio, gloria et Spiritui Sancto!

Sicut erat | Choir
Sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum.
Amen.

Magnificat | Choir
Meine Seele preist die Größe des Herrn,

Et exsultavit | Soprano
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Quia respexit | Soprano
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. 
Siehe, von nun an preisen mich

Omnes generationes | Choir
selig alle Geschlechter.

Quia fecit | Bass
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.

Et misericordia | Duet Alto, Tenor
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle,
die ihn fürchten.

Fecit potentiam | Choir
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

Deposuit potentes | Tenor
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.

Esurientes | Alto
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben 
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Suscepit Israel | Trio Soprano I, Soprano II, Alto
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,

Sicut locutus est | Choir
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Gloria Patri | Choir
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

Sicut erat | Choir
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar,
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.