Zu den berühmtesten und einflussreichsten Kirchenwerken neapolitanischen Ursprungs gehört das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi. Auch Tommaso Traetta (1727 – 1779) nutzt bei seiner späteren Vertonung desselben Textes Solosopran und Alt. Zu diesen fügt er jedoch einen vierstimmigen Chor hinzu, dem er bedeutende Partien der gesamten Komposition anvertraut. Den umfangreichen Text eines berühmten Gedichts mittelalterlichen Ursprungs gliedert er in eigenständig bearbeitete geschlossene Nummern. Seine Meisterschaft besteht in der Reichhaltigkeit, mit der er die einzelnen Teile innerlich differenziert. Von Nicola Porpora und Francesco Durante, seinen neapolitanischen Lehrern, übernahm Traetta das Gespür für die natürliche Führung der Gesangsteile. Diese bewahren auch in einer anspruchsvollen Koloratur stets die gewünschte Singbarkeit.
Die zweite Hälfte des Abends mit der Bezeichnung Pianto napoletano bot Raum für eine andere Art expressiver Trauermusik, die Totenmesse. In der unendlichen Reihe der Autoren, die während des 18. Jahrhunderts zu diesem Genre beitrugen, nimmt auch Francesco Durante einen bedeutenden Platz ein. Im Dvořák-Saal des Rudolfinums erklang das Requiem a due cori, das umfangreichste. Und dies nicht nur wegen seiner Länge, sondern auch hinsichtlich des verlangten Aufführungskörpers. Dieser umfasst neben Streichern und Waldhörnern acht Gesangsstimmen in zwei Chören. Von der großen Popularität von Durantes Requiem zeugen an die vierzig erhalten gebliebene Abschriften dieser Komposition, die ihrerzeit nicht in gedruckter Form erschien.
foto: Zdeňka Hanáková
















