Collegium 1704
Collegium Vocale 1704
Václav Luks
Zámek Nebílovy
C. Monteverdi

Universo 1704 Premiere: 22.03.2021
YouTube-Premiere: Demnächst

Claudio Monteverdi (1567–1643)

  • Altri canti di Marte
  • Troppo ben può
  • Amor che deggio far
  • Chiome d’oro
  • Qui rise, o Tirsi
  • Piagne e sospira
  • Hor che’l ciel e la terra

Collegium 1704

  • Violine I: Helena Zemanová
  • Violine II: Simona Tydlitátová
  • Viola da gamba: Hana Fleková
  • Cembalo: Václav Luks
  • Theorbe: Jan Krejča

Collegium Vocale 1704

  • Sopran: Pavla Radostová, Barbora Kabátková
  • Alt: Daniela Čermáková
  • Tenor: Ondřej Holub, Čeněk Svoboda
  • Bass: Jaromír Nosek

Claudio Monteverdi: Madrigali guerrieri et amorosi

Noch vor zwei oder drei Generationen galt Claudio Monteverdi (1567—1643) in der Geschichte der Musik als unbestrittener Revolutionär. In seinen Hauptwerken schien sich der generelle Stilwandel  der Musik in den Jahren um 1600 wie nirgendwo anders zu manifestieren. Die jahrelange Kontroverse  mit Giovanni  Maria  Artusi  (um 1540—1613) um die den traditionellen Regeln widersprechende Dissonanzenbehandlung  in einigen Madrigalen, aber auch Monteverdis erste, für den herzoglichen Hof zu Mantua komponierte Opern L’Orfeo (1607) und L’Arianna (1608, nur das Lamento d’Arianna erhalten) waren geeignet, die Vorstellung vom revolutionären Genie zu stützen. Diese Werke selbst wurden  selten  genug  aufgeführt,  aber  die  Erzählungen über den — vermeintlichen oder wirklichen — Revolutionär ersetzte die genaue Kenntnis der Musik. Andere Aspekte von Monteverdis Leben und Schaffen fanden dagegen lange Zeit kein vergleichbares Interesse.

Heute ist Monteverdis Musik zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Konzertlebens wie des CD-Marktes geworden, und die Kenntnis aller Schaffensbereiche bietet Gelegenheit, das Bild des Revolutionärs zu differenzieren. Nach der Entlassung am Hof des Herzogs von Mantua und der Berufung zum Maestro di cappella an der venezianischen Hauptkirche San Marco im Jahre 1613 rückte die Kirchenmusik in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit, wobei von den für San Marco komponierten Werken mit Sicherheit nur ein kleiner Teil erhalten blieb. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Monteverdi nicht wieder, sondern ließ sich 1632 zum Priester weihen. Weder seine Dienstaufgaben noch seine Zugehörigkeit zum geistlichen Stand hinderten ihn daran, weitere Madrigalsammlungen zu publizieren und für die neu entstehenden kommerziellen Opernhäuser der Lagunenstadt seine Spätwerke Il ritorno d’Ulisse in patria (1639) und L’incoronazione di Poppea (1642) zu schreiben.

Die letzte Sammlung des Meister-Madrigals trägt den Untertitel Madrigali guerrieri et amorosi, „Madrigale des Krieges und der Liebe“. Claudio Monteverdi hat längst die traditionellen Grenzen der Madrigalform überschritten und statt kleiner fünfteiliger Nachahmungskompositionen finden wir hier eher frühbarocke weltliche Kantaten.

C. Monteverdi: Madrigali guerrieri et amorosi

Altri canti di Marte, e di sua schiera
gli arditi assalti, e l’honorate imprese,
le sanguigne vittorie, e le contese,
i trionfi di morte horrida, e fera.

Io canto, Amor, da questa tua guerriera
quant’hebbi a sostener mortali offese,
com’un guardo mi vinse, un crin mi prese:
historia miserabile, ma vera.

Due begli occhi fur l’armi,
onde traffitta giacque,
e di sangue invece amaro pianto
sparse lunga stagion l’anima afflitta.

Tu, per lo cui valor la palma, e’l vanto
hebbe di me la mia nemica invitta,
se desti morte al cor, dà vita al canto.

Troppo ben può questo tiranno Amore,
poiché non val fuggire
a chi nol può soffrire.
Quand’i’ penso talor com’arde e punge,
i’ dico: – Ah, core stolto,
non l’aspettar, che fai?
Fuggilo sì che non ti prenda mai –.
Ma poi sì dolce il lusinghier mi giunge,
ch’i’ dico: – Ah, core sciolto,
perché fuggito l’hai?
Prendilo sì che non ti fugga mai –.

Amor che deggio far
se non mi giova amar con pura fede?
Servir non vo’ così,
piangendo notte e dì per chi no’l crede!

E non si può veder
l’amoroso pensier da l’occhio umano?
Dunque un fido amator
dovrà nel suo dolor languir invano?

Intesi pur talor
che ne la fronte il cor si porta scritto;
or, come a me non val
scoprir l’interno mal nel volto afflitto?

Ingiustissimo Re,
perché la vera fé nota non fai?
Perché lasci perir
voci, sguardi e sospir, se’l vedi e’l sai?

Oh come saria pur
amor dolce e sicur se’l cor s’aprisse!
Non soffrirebbe già
donna senza pietà ch’altrui morisse.

E dunque sotto il ciel
non v’è d’alma fedel segno verace?
Ahi fato, ahi pena, ahi duol!
Or credami chi vuol, ch’io mi dò pace.

Chiome d’oro bel tesoro
tu mi leghi in mille modi
…se t’annodi, se ti snodi.

Candidette perle elette,
se le rose che scoprite
discoprite, mi ferite.

Vive stelle, che sì belle
e sì vaghe risplendete,
se ridete m’ancidete.

Preziose, amorose,
coralline labbra amate,
se parlate mi beate.

O bel nodo per cui godo!
O soave uscir di vita!
O gradita mia ferita!

Qui rise, o Tirsi, e qui ver me rivolse
le due stelle d’Amor la bella Clori;
qui per ornarmi il crin, de’ più bei fiorì
al suon delle mie canne un grembo colse.
O memoria felice, o lieto giorno.

Qui l’angelica voce e le parole,
c’humiliaro i più superbi Tori;
qui le Gratie scherzar vidi, e gli Amori
quando le chiome d’or sparte raccolse.
O memoria felice, o lieto giorno.

Qui con meco s’assise, e qui mi cinse
del caro braccio il fianco, e dolce intorno
stringendomi la man, l’alma mi strinse.
Qui d’un bacio ferimmi, e ’l viso adorno
di bel vermiglio vergognando tinse.
O memoria felice, o lieto giorno.

Piagn’e sospira; e quand’ i caldi raggi 
fuggon le gregi a la dolc’ ombr’ assise, 
ne la scorza de’ pini o pur de’ faggi 
segnò l’amato nome in mille guise; 
e de la sua fortuna i gravi oltraggi 
e i vari casi in dura scorza incise;

e in rilegendo poi le proprie note 
spargea di pianto le vermiglie gote.

Or che ’l ciel et la terra e ’l vento tace
et le fere e gli augelli il sonno affrena,
notte il carro stellato in giro mena
et nel suo letto il mar senz’onda giace,

veglio, penso, ardo, piango; et chi mi sface
sempre m’è inanzi per mia dolce pena:
guerra è ’l mio stato, d’ira et di duol piena,
et sol di lei pensando ò qualche pace.

Cosí sol d’una chiara fonte viva
move ’l dolce et l’amaro ond’io mi pasco;
una man sola mi risana et punge;

e perché ’l mio martir non giunga a riva,
mille volte il dí moro et mille nasco,
tanto da la salute mia son lunge.

Mögen andere von Mars 
und seinem Heere singen, 
kühnen Attacken und seinen Ruhmestaten, 
von blut’gen Siegen und von Streiten, 
Triumphen des grausigen, grimmigen Tods. 
Ich singe, Liebe, von der Kriegerin dein, 
musst ich mich doch gegen 
tödlichen Ansturm behaupten, 
wie ein Blick mich besiegte 
und Haarschopf mich einnahm: 
klägliche Geschichte, doch wahr. 
Zwei schöne Augen waren die Waffen, 
von denen durchbohrt 
meine Seele sich fand, 
und statt Blutes hat sie, betrübt, 
lange Zeit bittere Tränen vergossen. 
Du, durch dessen Stärke 
mein unbezwingbarer Feind 
den Ruhm und den Sieg über mich erfuhr, 
gäbst meinem Herzen du den Tod,
gib meinem Lied das Leben. 
Übersetzung: Betram Kottmann

Nur zu gut versteht sich dieser tyrannische Amor
darauf sich ein Herz untertan
zu machen, wenn die Freiheit
nichts wert ist, lohnt auch die Flucht nicht,
selbst wenn man ihn nicht ertragen kann.
Wenn ich daran denke, wie er brennt
und schmerzt, dann sage ich:
Ach, törichtes Herz, warte nicht auf ihn,
was tust du? Fliehe ihn,
damit er dich niemals einfangen kann.
Aber dieser Verführer ergreift mich, ich weiß
nicht wie, so süß und so innig und so zart,
dass ich sage: Ach, törichtes Herz,
warum hast du ihn gemieden?
Ergreife ihn, und lass ihn nicht mehr entkommen.

Liebe, was soll ich tun,
wenn es mir nützt nichts zu lieben
mit unbeschmutzter Beständigkeit?
Ich sehne mich nicht nach meiner Knechtschaft,
Tag und Nacht weinen für jemanden,
der mir nicht glaubt. 
Und da ein liebevoller Gedanke
kann vom menschlichen Auge
nicht gesehen werden,
Warum muss ein treuer Liebhaber
vergebens schmachten? 
Das habe ich verstanden
das Herz kann oft in der Stirn gelesen werden;
aber warum tut mein inneres Leid dann?
nicht auf meinem betroffenen Gesicht zeigen? 
Der ungerechteste König
Warum offenbaren Sie keine wahre Konstanz?
Warum lässt du umkommen?
Worte, Blicke und Seufzer, von denen du weißt,
dass sie wahr sind? 
O wie rein, Liebe, süß und sicher,
Könnte sich das Herz aber zeigen!
Gnadenlose Frau,
konnte danach keinen anderen sterben lassen. 
Gibt es dann unter dem Himmel
kein wahres Zeichen einer beständigen Seele?
Ah Schicksal, ah Schmerz, ah Weh!
Ob Sie mir glauben oder nicht,
ich möchte mir Frieden geben.

Goldenes Haar, 
Prunkstück fürwahr, 
du fesselst mich auf tausend Weisen, 
bist hochgesteckt du oder gelöst. 
Ihr kleinen, weißen, erwählten Perlen, 
wenn die rosigen Lippen, die euch verbergen, 
sich öffnen beim Lächeln, verwundet ihr mich. 
Lebhafte Augensterne, 
leuchtend und schön, 
lacht ihr, dann bringt ihr mich um. 
Kostbare, zärtliche Lippen, 
geliebte, rot wie Korall, 
wenn ihr sprecht, bin ich im Glück. 
O schönes Liebesband, das mir zur Lust, 
o süßer kleiner Tod, o mein 
willkommenes Weh!

Hier lachte, o Tirsi, hier richtete auf mich 
die schöne Chloris die lieben Augensterne; 
Hier pflückte sie, das Haar mir zu schmücken 
aus den schönsten Blumen beim Klang 
meiner Flöte einen Strauß. 
O glückliches Erinnern, o freudiger Tag. 
Hier erklangen mit engelsgleicher 
Stimme die Worte, 
welche die prächtigsten Stiere demütigten; 
Hier sah ich die Grazien scherzen 
und die Liebesgötter, 
als sie ihr gescheiteltes, 
goldenes Haar aufsteckte. 
O glückliches Erinnern, o freudiger Tag. 
Hier setzte sie sich mit mir nieder, 
und hier umfing sie mich mit ihrem lieben Arm, 
und als sie zärtlich mir 
die Hand drückte, 
zog es mir das Herz zusammen. 
Hier verletzte sie mich mit einem Kuss, 
und aus Scham färbte sich 
ihr Gesicht mit einem leuchtenden Rot. 
O glückliches Erinnern, o freudiger Tag.

Sie weint und seufzt,
und als die heißen Sonnenstrahlen,
die Schafsherde vertrieben hat,
setzt sie sich in den süßen Schatten
und sie schrieb in die Rinde
einer Pinie oder Buche
den geliebten Namen
auf tausend verschiedene Weisen
und über dessen Schicksal
und schwere Schmähungen
und all diese verschiedenen Vorkommnisse
ritzt sie in die harte Rinde ein:
Und später beim erneuten Lesen
derselben Aufzeichnungen
rinnen ihr Tränen über die roten Wangen.

Nunmehr, da Himmel, Erde schweigt und Winde,
Gefieder, Wild des Schlummers Bande tragen,
die Nacht im Kreise führt den Sternenwagen,
und still das Meer sich senkt in seine Gründe:

Nun wach’ ich, nun sinn’ ich,
glüh’ und wein’ und finde
nur sie, die mich verfolgt mit süßen Plagen.
Krieg ist mein Zustand, Zorn und Mißbehagen:
nur, denk’ ich sie, winkt Friede mir gelinde.

so strömt, was mich ernährt,
das Süß’ und Herbe,
aus eines einz’gen Quell’s lebend’gem Strahle,
dieselbe Hand gibt Heilung mir und Wunden.

und daß mein Leiden nie ein Ziel erreiche, sterb’
und ersteh’ ich täglich tausendmale,
so weit entfernt noch bin ich, zu gesunden.

Übersetzung: Johann Diederich Gries